Die ersten Schrittmacher

Mitte der 1950er Jahre lernte Earl Bakken Dr. C. Walton Lillehei  von der medizinischen Fakultät der Universität Minnesota kennen - einen Pionier auf dem Gebiet der Operation am offenen Herzen. Lillhei und andere Chirurgen hatten eine folgenreiche Entdeckung gemacht: Nach Herzoperationen kam es bei etwas 10 % der Patienten zu einem AV-Block (Verzögerung oder Unterbrechung der Reizleitung zwischen den Herzvorhöfen und den Herzkammern). Bei der Operation verwendetes chirurgisches Nahtmaterial beeinträchtigte die Reizleitung des Herzens. Dies führte zu einer abnorm langsamen Herzfrequenz, die einen Herzstillstand zur Folge haben und damit für die Patienten lebensgefährlich sein konnte.

Dr. C. Walton Lillehei mit einem Kind, das einen der frühen externen Schrittmacher von Medtronic erhielt.

Dr. C. Walton Lillehei mit einem Kind, das einen der frühen externen Schrittmacher von Medtronic trägt.

Zwar gab es schon damals externe Herzschrittmacher zur Unterstützung des Herzrhythmus. Diese waren aber unförmig und wurden mit Wechselstrom betrieben, was sie abhängig machte von einer externen Stromversorgung. Brach diese zusammen, fiel auch der Herzschrittmacher aus.

Nachdem Lillehei einen Patienten wegen eines Stromausfalls verloren hatte, beauftragte er Medtronic mit der Suche nach einer Alternative zu netzabhängigen Herzschrittmachern. Innerhalb von vier Wochen entwickelte Bakken aus einer alten Bauanleitung für ein elektrisches Metronom einen tragbaren, batteriebetriebenen Herzschrittmacher, der nicht viel grösser als ein Taschenbuch und so auch für Kinder und Jugendliche bequem zu tragen war. Am 6. Dezember 1957 kam der Schrittmacher bei einem Kind mit AV-Block zum Einsatz, nachdem das Gerät im Labor der Universität getestet worden war.

Die Wirkung stellte sich unmittelbar ein. Mit dem Schrittmacher hatte das Kind sofort eine fast normale Herzfrequenz. Innerhalb weniger Tage normalisierte sich der Herzrhythmus des Kindes schliesslich von selbst. Der Schrittmacher wurde entfernt.

Mit dem weltweit ersten netzunabhängigen Herzschrittmacher legte Bakken den Grundstein zu einer Therapie, die inzwischen für Millionen von Patienten mit Herzrhythmusstörungen Rettung und Verbesserung der Lebensqualität bedeutet: die elektrische Stimulation des Herzens.

Der Erfolg externer Schrittmacher

Bis zum Jahr 1960 hatte Medtronic sich als Hersteller biomedizinischer Geräte etabliert. Externe Schrittmacher wurden in der Mayo-Klinik in Rochester (Minnesota), an der Universität Minnesota in Minneapolis, an den National Institutes of Health in Bethesda (Maryland), im Walter Reed Army Medical Center in Washington DC und im Mount Zion Hospital in San Francisco verwendet. Schrittmacher von Medtronic wurden auch nach Europa, Südamerika, Australien, Kanada, Kuba und Afrika verkauft .

Zunächst wurden externe Schrittmacher vor allem bei Patienten eingesetzt, die sich von einem Eingriff am offenen Herzen erholten. Zunehmend erkannten Ärzte jedoch die Bedeutung der Geräte für die Behandlung von chronischen langsamen Herzrhythmus-störungen. Die langfristige Anwendung barg jedoch mehrere Herausforderungen: Es war unbequem für den Patienten, 24 Stunden täglich einen externen Schrittmacher zu tragen. Ausserdem konnten sich die Elektroden vom Herzen lösen. Der grösste Nachteil war jedoch die Infektionsgefahr an den Stellen, an denen die Elektroden durch die Haut eingeführt wurden.

Die ersten implantierbaren Herzschrittmacher

Am Veterans Administration Hospital in Buffalo (New York) hatten die Ärzte William Chardack und Andrew Gage zusammen mit dem Elektrotechniker Wilson Greatbatch intensive Versuche mit vollständig implantierbaren Herzschrittmachern durchgeführt. Die Ergebnisse veröffentlichten sie 1960 in einer Fachzeitschrift.

Die Gründer von Medtronic lasen diese Veröffentlichung mit grossem Interesse und nahmen mit den Pionieren aus Buffalo Kontakt auf. Palmer Hermundslie flog nach Buffalo, um Chardack und Greatbatch kennen zu lernen. Kurz darauf unterzeichnete er einen Vertrag, in dem Medtronic die ausschliesslichen Rechte an der Herstellung und Vermarktung des implantierbaren Impulsgenerators Chardack-Greatbatch zugestanden wurden. Innerhalb von zwei Monaten nach Beginn der Herstellung Ende des Jahres 1969 waren bei Medtronic bereits 50 implantierbare Schrittmacher bestellt worden.

Mitgründer Palmer Hermundslie flog häufig mit seinem eigenen Flugzeug, um notfallmäßig Schrittmacher auszuliefern.

Palmer Hermundslie, einer der Gründer von Medtronic, lieferte Herzschrittmacher auch gern notfallmässig mit dem eigenen Flugzeug aus.

Zur gleichen Zeit räumte Medtronic der Picker International Corporation of White Plains (New York) das alleinige Vertriebsrecht ausserhalb der USA (mit Ausnahme von Kanada) ein. Picker verfügte über 72 Vertriebsnieder-lassungen im Ausland. Für Medtronic, das 14 Vertriebsleute in den USA und Kanada beschäftigte, vergrösserte sich der Markt damit erheblich.

Ausser dem implantierbaren Schrittmacher vertrieben die Medtronic Repräsentanten sieben weitere Produkte von Medtronic, z.B. das Gerät Telecor zur sicht- und hörbaren Überwachung der Herzaktivität und den Cardiac Sentinel, der automatisch einen Alarm auslöste, wenn der Herzrhythmus des Patienten einen bestimmten Wert unterschritt.

Die Geburt der Unternehmensleitsätze

Im Jahr 1960 erreichte Medtronic einen weiteren Meilenstein. Um eine klare Strategie für die Zukunft der Firma zu schaffen, legte Bakken die Unternehmensleitsätze von Medtronic schriftlich nieder. Inzwischen wurden die Leitsätze in viele Sprachen übersetzt und sind noch heute der ethische Rahmen für unsere Arbeit.

Letzte Aktualisierung: 25 Aug 2011

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